Wann und zu welchem Zweck wurden die Mønsted Kalkgruber etabliert?
Die Etablierung der Mønsted Kalkgruber als menschengemachte Bergwerksanlage reicht bis in die Völkerwanderungszeit und das frühe Mittelalter zurück. Die ältesten schriftlichen Quellen und geologischen Spuren weisen auf einen systematischen Abbau um das 12. Jahrhundert hin. Die Gewinnung begann ursprünglich im Tagebau an der Oberfläche. Als die oberflächennahen Vorkommen jedoch erschöpft waren, begann man, sich horizontal und vertikal in die Kalksteinschichten vorzuarbeiten. Dies legte den Grundstein für das über 60 Kilometer lange unterirdische Stollennetz, das über Jahrhunderte hinweg in Handarbeit mit Hacke und Meißel freigelegt wurde.
Warum war die Geologie in Mønsted entscheidend für den Standort der Mine?
Die Lage und die Errichtung der Mine in Mønsted sind nicht zufällig, sondern durch einen unterlagernden Salzstock bedingt. Über Jahrmillionen hinweg hat dieser massive Salzstock die tiefer liegenden Kalksteinschichten aus dem „Danium“ (ca. 60–65 Millionen Jahre vor heute) bis an die Erdoberfläche emporgedrückt. Während der Kalkstein im Großteil Dänemarks unter dichten Schichten aus Moränenlehm und Sand begraben liegt, führte die geologische Verschiebung in Mønsted dazu, dass der wertvolle Rohstoff für die damalige einfache Technologie leicht zugänglich war und somit den frühen Bergbau auslöste.
Was war der primäre Grund für den Beginn des Kalkabbaus?
Die primäre Treibkraft hinter der Etablierung der Kalkgruben war die massive Nachfrage nach Branntkalk (Löschkalk), die im Zuge der Einführung des Christentums und des darauffolgenden Baubooms in Dänemark entstand. Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert wurden mehr als 2.000 Tuffstein- und Quadersteinkirchen in der jütländischen Landschaft errichtet. Der Kalk aus Mønsted war ein unverzichtbarer Rohstoff für diese architektonische Revolution und diente zwei entscheidenden Zwecken:
- Mörtelherstellung: Gebrannter Kalk, vermischt mit Sand, bildete den festen Bindemörtel, der für das Zusammenfügen der schweren Feld- und Backsteine beim Kirchenbau erforderlich war.
- Kalkung: Der reine Kalk wurde in Wasser gelöst und zum Weißen der Kirchenräume sowie der Außenfassaden verwendet. Dies schützte das Mauerwerk und diente als Untergrund für mittelalterliche Kalkmalereien (Kalkmalerier).
Wie veränderte sich die Nutzung im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert?
Im Laufe des Mittelalters und der Renaissance lag das Recht zur Kalkgewinnung bei den örtlichen Bauern und Gutsherren. Im Jahr 1874 veränderten sich Zweck und Struktur der Mine jedoch grundlegend, als die verstreuten Kalkwerke der Region aufgekauft und in der industriellen Aktiengesellschaft Mønsted Kalkværker zusammengeführt wurden. Nun waren es nicht mehr nur Kirchen und Herrenhäuser, die den Rohstoff nachfragten. Die industrielle Revolution schuf einen akuten Bedarf an Kalk für die Bodenverbesserung in der Landwirtschaft sowie für die rasch wachsende chemische Industrie und das Baugewerbe in den dänischen Städten. In dieser Epoche wurden durch modernere Abbautechniken auch die riesigen unterirdischen „Domkirchen“ mit einer Deckenhöhe von bis zu 15 Metern geschaffen.
Wann wurde der Bergbau in den Gruben endgültig eingestellt?
Der untertägige industrielle Kalkabbau in Mønsted setzte sich nach der Fusion fast 100 Jahre lang fort, bis die Produktion im Jahr 1953 endgültig eingestellt wurde. Die oberirdische, angrenzende Fabrikanlage, das große rote Kalkwerk (Kalkværket), blieb jedoch für die Verarbeitung und das Brennen von Kalk aus nahegelegenen Tagebauen bis 1980 in technischem Betrieb. Nach dem Ende der Produktion kaufte der dänische Staat das historische und biologische Areal im Jahr 1997 auf, um den Erhalt des Kulturerbes und das einzigartige Schutzgebiet für Fledermäuse dauerhaft zu sichern.



